Kunst aus Schulen 2021 – Masken


 

Die Ausstellung „Masken“ zeigt Arbeiten aus dem Kunstunterricht weiterführender Schulen im Hochtaunuskreis. Es beteiligen sich neun Schulen an der Präsentation, die seit 1996 als Projekt zur Förderung junger Kunst und des Kunstunterrichts an Schulen in der Galerie Artlantis stattfindet.

Die Organisation haben in bewährter Zusammenarbeit der Kunstverein Bad Homburg Artlantis und der Hochtaunuskreises übernommen. Getragen wird dieses Projekt von der Johann-Isaak-von-Gerning-Stiftung, eine Stiftung des Hochtaunuskreises zur Förderung von Kunst und Kultur. Benannt wurde sie nach einem Gelehrten der Goethezeit, der als Sammler bedeutende Kunstwerke sicherte.

Auch in diesem Jahr wurden für die Gemeinschaftsausstellung Preise ausgelobt. Die teilnehmenden Schulen haben kleine Werkserien eingereicht, die eine kompetente Jury aufmerksam betrachtet und sorgsam verglichen hat. Der Jury gehörten an: Eckhard Gehrmann (Künstler und Mitglied des Kunstvereins Bad Homburg Artlantis), Sabine Mauerwerk (Vorstandsmitglied im Landesverband der Jugendkunstschulen in Hessen) und Kathrin Meyer (Direktorin Museum Sinclair-Haus, Bad Homburg).


 

Adolf-Reichwein-Schule, 12. Jahrgang. Lehrerin: Maren Schröder

Kunst der Verwandlung

Seit jeher und in allen Kulturen der Welt sind Menschen von Masken fasziniert. Aufgesetzt auf das Gesicht verwandelt die Maske ihre Träge in etwas Neues und fungiert zugleich als Schutz und Verbindung zwischen dem Individuum und der Außenwelt.

Masken – physische und symbolische – sind omnipräsent; in der realen genauso wie in der virtuellen Welt. Formen der Maskerade begegnen uns als Mittel, um gesellschaftlich normierte Geschlechter- und Rollenzuordnungen zu durchbrechen. Sie begegnen uns aber auch in den sozialen Medien, wo mit wenigen Mausklicks das ursprüngliche Bild in Sekundenschnelle verwandelt wird. Masken setzen wir auf, um in eine Rolle zu schlüpfen. Sie bieten die Möglichkeit zum Tausch des Selbst.


 

Sonderpreis des Museums Sinclair-Haus – Adolf-Reichwein-Schule, 10. Jahrgang. Lehrerin: Ulrike Rockstroh

Porträtstudien

Auf Grundlage erster, individueller Porträtstudien gestalteten die Schüler „Selfies“ aus verschiedenen Kamera-Perspektiven. Diese zeichneten sie mit Bleistift in ihre künstlerischen Tagebücher in DIN-A4-Größe. Die grafische Arbeit war Ausgangspunkt für die anschließende monochrome Malerei in DIN-A3-Größe mit schwarzer Tusche auf Papier. Entstanden sind individuelle, ausdrucksstarke Porträts der jungen Künstler, die ihr Dasein mit Maske im Jahr 2020 zeigen.


 

1. Preis – Altkönigschule Kronberg
6. Jahrgang und E2. Lehrerin: Jana Hartmann

The Fabric that keeps us together

Das letzte Jahr markierte vor allem im Leben der Schüler einen besonderen Einschnitt. Plötzlich sah man sich nicht mehr täglich in der Schule, gewohnte Abläufe kamen ins Stocken. Die Arbeit „The Fabric that keeps us together“ markiert mit der geraden oberen Linie den Beginn der Pandemie, nach unten hin laufen die als Untergrund für die Sehnsüchte der jungen Künstler gewählten Masken ungleich aus – das Ende ist trotz Impfung noch nicht absehbar. Auf dem Stoff, aus dem die Masken sind – der Stoff, der uns miteinander verbindet, da er ein Zusammensein noch ermöglicht, befinden sich mit Hand aufgestickte Dinge, die die Schüler vermissen und vermisst haben. Das Sticken als meist im Häuslichen vertretene Praxis, verweist hier zum einen auf die im Haus verbrachte Zeit der Lockdowns und eröffnet einen Einblick in die Lebenswelt der Jugendlichen. Darüber hinaus ergab sich aber auch Raum zum Austausch zwischen den Generationen innerhalb der Familien, in der Vermittlung bestimmter Sticktechniken und letztlich auch über die Kurse hinweg. „The Fabric that keeps us together“ thematisiert so Distanz und Nähe in Zeiten der Pandemie auf ganz unterschiedlichen Wegen. Das Projekt erinnert an Arbeiten Rosemarie Trockels sowie an Werke des ghanaischen Künstlers El Anatsui; beide regen in ihren plastischen Arbeiten mit Stoffen zum Denken an und bringen den Schülern die Vielschichtigkeit der modernen Plastik näher.


 

IGS Stierstadt, 6. Jahrgang. Lehrerin: Birte Waldeck

Welche Gegenstände fallen uns sofort ein, wenn wir an Corona denken? Mund-Nasen-Schutz-Masken und Toilettenpapier! Die Klassen 6A und 6E haben sich kreativ mit diesem Material auseinander gesetzt: Aus den Pappkernen von Toilettenpapier haben sie maskenähnliche Fratze geformt, diese farbig gestaltet und dann zu einem buntgemischten Gemeinschaftskunstwerk auf einer schwarzen Leinwand zusammengesetzt. Dieses Kunstwerk soll gleichzeitg gruselig, aber auch bunt gemischt und lustig wirken.

Der Grafiker Steffen Kraft alias „Iconeo“ entdeckt in MNS unter anderem eine Kaffeetasse oder ein Springseil und bindet die Masken in seine Illustrationen ein. Dadurch bekommen die Masken einen neuen, fröhlichen Kontext. Das hat den Schülern gut gefallen und sie haben versucht, eigene Ideen mit MNS so umzusetzen, dass sie mit ihren Maskenillustrationen die Betrachter unterhalten und die Menschen von ihren Corona-Ängsten ablenken können.


 

2. Preis – Gymnasium Oberursel, 11. Jahrgang und E2. Lehrerin: Michaela Hagen

Augen

Augen haben in Zeiten der Pandemie eine neue Rolle. Da das Antlitz des Gegenübers größtenteils verhüllt ist, zeigen nur noch die Augen das Persönliche, Individuelle und Einzigartige. Die Objektarbeiten zeigen die Augen beziehungsweise die Iris der Schüler. Mithilfe von zeichnerischen Studien wurden die Augen zunächst genau unter die Lupe genommen und anschließend einfache, linsenförmige, weiße Gesichtsmasken bestickt und in Augenobjekte verwandelt. Die Objekte werden als Gruppierung in Augenhöhe an einer Wand präsentiert. Die Ergebnisse sind im Distanzunterricht mittels Lernplattform, Videokonferenz und Postversand von Material und fertigem Objekt entstanden.


 

1. Preis – Taunusgymnasium Königstein, Lehrerin: Natalia Schendzielorz

Die Schüler des Jahrgangs 10 der E-Phase gingen auf Spurensuche nach achtlos liegengelassenen oder weggeworfenen Masken, die leider allerorts das Stadtbild prägen und eine Geschichte über ihren Träger zu erzählen scheinen.

Der Fund wurde mithilfe einer Fotografie dokumentiert und später zu Hause zeichnerisch transformiert. Die Gedanken und Gefühle, welche die Schüler in einem Leben mit Covid und dem mittlerweile selbstverständlichen Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes bewegen, flossen in Form von Schrift-Strukturen in die Zeichnungen ein und bilden durch Verdichtungen gleichzeitig die Schattenwerte der Zeichnungen.

Es lohnt sich also in den Zeichnungen auf die Suche zu gehen, um der in der Tiefe versteckten Bedeutung auf die Spur zu kommen.


 

Humboldtschule Bad Homburg, Mittelstufe. Lehrer: Thomas Böhm

Mit dem zweiten Lockdown treten neue Kontaktbeschränkungen in Kraft, Schule findet vorerst nicht in der gewohnten Form statt, und man kann seine Freunde nur unter bestimmten Bedingungen sehen. Das ist wichtig, um das aktuelle Infektionsgeschehen einzudämmen um bald zur Normalität zurückfinden zu können. Gleichzeitig ist es eine verrückte Zeit, die nicht spurlos an uns Menschen als soziale Wesen vorübergeht. Die aktuelle Situation macht etwas mit uns. Wie fühlst du dich dabei? Als Künstler ist es unsere Aufgabe, bildhafte Formen zu entwickeln, um dem Ausdruck zu verleihen, was sich gerade in uns abspielt.


 

1. Preis – Humboldtschule Bad Homburg, Unterstufe. Lehrer: Hayko Spittel

Schräge Vögel

Die gestalterische Auseinandersetzung mit Masken führte uns zu der Begegnung mit den Werken des amerikanischen Zeichners Saul Steinberg. Seine Fotos von zum Teil frappierend einfachen, aber im situativen Umfeld umso effektvolleren Masken, dienten als Inspiration zu den Arbeiten der vorliegenden Serie. Einige Fotos lassen erahnen, dass Geschwister, Eltern oder Großeltern mitwirkten. Diese Aktivierung der familiären Kreativität im Homeschooling, die gemeinsame, humorvolle Auseinandersetzung mit dem Masketragen ist in diesem Zusammenhang begrüßenswert.


 

St-Angela-Schule Königstein, 5. und 7. Jahrgang. Lehrerin: Tatiana Tarabrina

Afrikanische Masken sind immer umgeben von einer mystischen und magischen Aura. Die Maske versteckt und schützt ihren Träger. Mit dem Anlegen der Maske wechselt der Träger seine Identität.


 

Phorms Gymnasium Steinbach, Lehrerin: Miriam Marty

Streetart, insbesondere Spraykunst, begeistert und fasziniert die Schüler der Mittelstufe. Nach der Beschäftigung mit dem Streetart-Künstler Banksy entstanden Stencils mit Hygiene- und Motivationsmotiven, die auf dem Schulhof mit Kreidespray realisiert wurden. Eine kleinere Gruppe von Schülern der siebten und achten Klasse verwirklichte dann die besten Motive auf zwei großen Papierrollen. Mit zusätzlichen freien Sprayeffekten, dem Auseinanderschneiden und neu Zusammenfügen einzelner Schablonen, entstanden die beiden Wandteile. Schließlich kam die Idee auf, sie nun zusammen mit einem imaginären Klassenzimmer in unserem schulischen Treppenhaus aufzustellen. Die Schüler haben den aktuellen Verhaltenskodex durch ihre Bildsprache nicht nur verständlich gemacht, sondern ihm ihre eigene energiegeladene und positive Handschrift verliehen. In dieser Zeit größter Einschränkungen ein künstlerischer Akt der Befreiung!


 

2. Preis – Kaiserin-Friedrich-Gymnasium Bad Homburg, Oberstufe. Lehrerinnen: Stefanie Guter, Nora Krätke, Nina Salus-Flohr

ICH? Jetzt!

Nicht erst seit Corona „maskiert“ sich der Mensch. Aufgesetzt auf das Gesicht verwandelt die Maske ihren Träger in etwas Neues. Maskierungen brechen mit der Gewohnheit, Gesichter auf herkömmliche Art zu entschlüsseln, normierte Geschlechter- und Rollenzuordnungen müssen durchbrochen werden.

Das maskierte, verfremdete Individuum sowie die Handlung des Tragens einer Maske rückten bei den Arbeiten der Oberstufenkurse in den Fokus. Reduziert auf Mimik und Gestik zeigen die Gesichts-Fotos unterschiedliche Aspekte des Zeigens, des Verbergens, der Verschleierung sowie Möglichkeiten der Selbstdarstellung. Die Schüler setzten sich mit der eigenen Identität auseinander und begannen mit unterschiedlichen Ausdrucksmöglichkeiten zu experimentieren, wobei Licht- und Schatteninszenierungen deutlich werden.

Angeregt durch Arbeiten von Arnulf Rainer sowie den Künstlerinnen Susanne Weirich und Ulrike Rosenbach entstanden in einem weiteren Schritt Fotografien, die durch grafische und malerische Mittel überzeichnet wurden, um eine bessere, übersteigerte Akzentuierung des Ausdrucks zu erlangen. Die Maske und die Maskierungen mit Nylonstrumpfhosen eröffneten ein Spiel- und Experimentierfeld sowie ein Jonglieren mit Identitäten. So zeigen die dargestellten Fotografien intensive Dialoge mit sich selbst und eine emotionale Bandbreite von zum Beispiel Verbergen, Verwandlung, Verletzlichkeit, Schmerz oder Rebellion.


 

2. Preis – Altkönigschule Kronberg, 8. Jahrgang. Lehrerin: Nina Borsch-Janßen

Transformation oder: Das maskierte Klassenzimmer

Oft arbeiten wir in der Jahrgangsstufe 8 zum Thema Metamorphosen, ausgehend von den Metamorphosen des David. Diesmal haben wir einfach etwas umdisponiert: Was haben wir alle (Masken) und was haben wir alle zu Hause und… was wünschen wir uns so sehr? Dass das Thema Metamorphose dann einen ganz neuen, anderen Klang bekam, war schnell klar. Passend zu dieser surrealen Zeit haben sich die Schüler durch dieses gemeinsame Projekt dann wieder sehr verbunden gefühlt.


 

Stellungnahme der Jury

Die Jury ist beeindruckt von den großartigen Arbeiten zum Jahresthema „Masken“ der Ausstellung von Kunst aus Schulen 2021. In großer Bandbreite sind Werke entstanden, die die besondere Situation der Corona-Pandemie künstlerisch-reflektiert umsetzen und denen es gelingt, Emotionen zum Ausdruck bringen, die jeden innerlich bewegen und die doch meist hinter Masken versteckt bleiben im Alltag.

Aber auch humorvolle Inszenierungen sind dabei, die begeistern und überzeugen. Der kreative Prozess zeigt sich als eine vorzügliche Ausdrucksmöglichkeit und ein Ventil für Ängste. Besonders aufgefallen ist zudem, dass teils auf alte Handarbeitstechniken zurückgegriffen wurde, die auch ein generationsübergreifendes Moment mit einschließen, und dass Materialien Verwendung fanden, die in der Stagnation der Pandemie vorhanden waren. Die Entscheidungen zur Preisvergabe sind der Jury nicht leicht gefallen, aber zuletzt in einmütiger Überzeugung getroffen worden. Herzliche Glückwünsche allen Preisträger und ein großes Lob allen Schüler und den Lehrkräften für diese großartige Leistung!

Juriert von:
Eckhard Gehrmann (Künstler und Mitglied im Beirat des Kunstvereins Bad Homburg Artlantis e.V.)
Sabine Mauerwerk (Vorstandsmitglied im Landesverband der Jugendkunstschulen in Hessen e.V.)
Kathrin Meyer (Direktorin Museum Sinclair-Haus, Bad Homburg)

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